Viele offene Fragen zur Altlasten-Sanierung

 

Viele Indizien sprechen dafür, dass die Sanierung der Altlasten auf dem Gelände des ehemaligen Sprengstoffwerkes der WASAG in Stadtallendorf lückenhaft ist. Da eine Verschlechterung des Grundwassers nicht ausgeschlossen werden kann und damit Auswirkungen auf das Trinkwasser von 500.000 Menschen zu befürchten sind, ist ein sofortiger Stopp der dortigen Arbeiten für den Ausbau der A 49 unerlässlich.  Die Reaktionen seitens des Regierungspräsidiums in Gießen auf die Pressemitteilung  „Gift auf dem Weg ins Grundwasser?“ vom 27. April werfen dabei deutlich mehr Fragen auf als sie beantworten. 

 

    1) Nach einem Zeitungsbericht kennt das Regierungspräsidium in Gießen keine Schadstoffe auf dem Gelände des ehemaligen Sprengstoffwerkes der WASAG in Stadtallendorf, die im Planfeststellungsbeschluss nicht berücksichtigt wurden. Dabei bleibt darin u. a. der hochgefährliche Zündersprengstoff Tetryl (vgl. Wolff, Hans-Jürgen, Die Allendorfer Sprengstoffwerke DAG und WASAG, Stadtallendorf, 1989, S. 315) unerwähnt. Wenn die DEGES  darauf hinweist, die gefundenen Stoffe seien Teil des Planfeststellungsbeschlusses (S. 59ff), so zeigt das  lediglich, dass Stoffe, auf die nicht getestet wird, auch nicht gefunden werden.           

  2) Auf den Verdacht, dass sich mit Sprengstoffen belastete Wurzelstöcke (Quelle S. 58, 63, weitere Informationen hiergeschreddert auf der Trasse befinden und nun zunehmend das Trinkwasser verunreinigen, ließ das Regierungspräsidium verlauten, die Wurzelstücke seien  beprobt und für unschädlich befunden worden, über 600 Tonnen seien „energetisch verwertet und somit ordnungsgemäß entsorgt worden. Ein Verbleib dieser Holzabfälle auf dem Trassenbereich könne somit ausgeschlossen werden“. Dem steht entgegen, dass sich auf der Trasse noch zahlreiche auffällig orange verfärbte Wurzelstöcke befinden, die im Gegensatz zu Vergleichsproben positiv auf einen TNT-Schnelltest reagiert haben. 

 

3) Das Sanierungsleitbild von Stadtallendorf sieht eine Sanierungstiefe von drei Metern vor. Wieso beruft sich der Behördensprecher des Regierungspräsidiums laut einem Zeitungsartikel auf dieses Leitbild, wenn doch für den Autobahnausbau zehn Meter und tiefer in das betroffene Gelände gegraben wird? 

     4) In sämtlichen Ausschreibungen und Berichten ist nur vom Bereich der Füllgruppe 2 die Rede, obwohl die Trasse auch durch weitere Bereiche des WASAG-Geländes führt. Muss man davon ausgehen, dass die übrigen betroffenen Bereiche nicht saniert sind, wie die gefundenen Reste von Grundmauern eines nicht kartierten Gebäudes auf der Trasse vermuten lassen? Und sind damit nicht die Nebenbestimmungen zum Bodenschutz im Planfeststellungbeschluss unzureichend erfüllt, die Voraussetzung für einen Beginn der A 49 Bauarbeiten sind?

  

Dies alles sind deutliche Indizien dafür, dass mit dem Ausbau gegen das wasserrechtliche Verschlechterungsverbot verstoßen wird und der Bau umgehend gestoppt werden muss. Alles andere ist ein Roulettespiel auf Kosten all derer, die auf das hier gewonnene Trinkwasser angewiesen sind.

 

Nähere Einzelheiten gibt es hier.

Abgeschlossene Sanierung?  

Auf der Trasse befinden sich noch ca. 30 cm hohe Grundmauern eines ca. 3 m x 12 m großen Gebäudes.

Neben zahlreichen Mauerresten, die nach der angeblich abgeschlossenen Sanierung nicht mehr vorhanden sein dürfen, gibt es auch noch ganze Gebäude abseits der Trasse. Dabei wurde in einem Artikel der Oberhessischen Presse von August 2018 angekündigt: Es "verschwinden die alten, sehr massiven Betongebäude vollständig. Das gilt auch dort, wo nicht die Trasse der Autobahn 49 verläuft.

Einer von unzähligen Wurzelstöcken auf dem Gelände (weitere Fotos unten)  Dabei kann laut Auskunft aus dem Regierungspräsidium ein Verbleib dieser Holzabfälle auf dem Trassenbereich ausgeschlossen werden ...

Fund einer kristallinen Verbindung (leichtsinnigerweise ohne Handschuh). 

Leider konnte auf Grund der Größe nur eine GC-Analyse durchgeführt werden. Für einen Nachweis der vermuteten hochgiftigen Sprengstoffe Tetryl oder Pikrinsäure war die Probe der nachweislich organischen Verbindung allerdings zu klein. 

Foto zu 5: Mauerreste eines Wachehäuschens (Bunker)

Verfärbter Mauerrest


Gift auf dem Weg ins Grundwasser?

28. April 2021: Jüngste Recherchen haben gravierende Versäumnisse bei der Sanierung des Geländes des ehemaligen Sprengstoffwerkes WASAG in Stadtallendorf zu Tage gebracht. Trotz der Benachrichtigung der Verantwortlichen - das Regierungspräsidium in Gießen sowie die Planfeststellungsbehörde in Wiesbaden -, wurde bisher kein Baustopp verordnet. Wir fordern hiermit, die wasserrechtliche Genehmigung für den Ausbau der A 49 umgehend zurückzuziehen, bis sichergestellt ist, dass von den Altlasten im Bereich des Sprengstoffwerkes WASAG in Stadtallendorf keine Gefahr ausgeht! 

1)    Im vom Ausbau der A 49 betroffenen Gelände sind hochgiftige Sprengstoffe dokumentiert, die im Planfeststellungsbeschluss nicht aufgelistet sind und auch der Bundesregierung bisher nicht vorliegen (vgl. die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen am 19.8. 20, S. 2 – hier werden die Bodenbelastungen eines anderen Sprengstoff-Gebietes in Stadtallendorf aufgelistet, in dem sich andere Sprengstoffe befinden, vgl. Anhang 2)Wir müssen daher davon ausgehen, dass sie bei der Altlasten-Sanierung nicht im Blick waren. 

2)    Wurzelstöcke, die über Auswaschungen Sprengstoffreste aufnehmen (vgl. den Leitfaden Rüstungsaltlasten kora-tv 5, Annette Joos u. a., gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin 2008, S. 58, 63), wurden geschreddert und über die Trasse verteilt. (Links ein Bild, das zum WASAG-Gelände gehört - unterhalb der Artilleriestraße - auf dem die geschredderten und untergemulchten Wurzelstöcke zu sehen sind - , oben einige weitere.)

3)    Laut einem Gutachten sind im betroffenen Gelände auch in Ton und Buntsandstein Sprengstoffverbindungen nachweisbar (vgl. Leitfaden Rüstungsaltlasten kora-tv 5, Annette Joos u. a., gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin 2008, S. 34) - auch dies scheint bei der Sanierung nicht beachtet worden zu sein.

4)    Es ist wahrscheinlich, dass die giftigen Stoffe, die momentan offenkundig frei gesetzt werden, über Versickerung ins Grundwasser gelangen. Wegen der Fließrichtung gelangen sie von dort ins nahegelegene Wasserschutzgebiet, aus dem sich die Trinkwasserversorgung von 500.000 Menschen speist. (Vgl. den Abschlussbericht zum Rüstungsgebiet der DAG des hessischen Umweltministeriums, 2009, S. 10

5)    Mauerreste zeigen, dass die Sanierung des Geländes noch nicht abgeschlossen ist. Damit sind die Nebenbestimmungen zum Bodenschutz im Planfeststellungsbeschluss (S. 59ff) nicht erfüllt.  

Nähere Einzelheiten gibt es hier.

 

Der Planfeststellungsbeschluss kann hier heruntergeladen werden, ein Programm zum Öffen der gz. Datei hier. Weiter unten finden sich Seite 59 ff als Bilder. 

Baumwurzel-Probe

Foto 1: Gefundene Baumwurzel

Foto 2: Baumwurzel nach Janowsky-Schnelltest

 

Auch die rötliche Verfärbung des Wassers (unten) sieht nicht gesund aus. Hinweise für eine andere Erklärung als mögliche Sprengstoffbelastung können uns gerne über das Kontaktformular zugesandt werden.

 

 

 

 

 

Unten: Bild, das zum WASAG-Gelände gehört - unterhalb der Artilleriestraße - auf dem die geschredderten und untergemulchten Wurzelstöcke zu sehen sind.

 

... schlägt auf TNT an.

 

 

Eine Baumwurzel (Foto: Baumwurzel 1) vom WASAG-Gelände wies nach einem Schnelltest (Auswertung siehe unten) die für TNT typische blutrote Färbung auf (Foto: Baumwurzel 2).  Eine Blindprobe zeigte ein anderes Bild. 

Weitere verdächtige gelbe Substanzen

Kalksäcke direkt WASG Gebiet vergraben - mit der Plastikumhüllung! Was sollte mit diesen großen Mengen an Kalk gebunden werden? Und warum gab es dort einige Tage lang einen sehr üblen undefinierbaren Geruch, von dem auch in diesem Video 1989 zu Altlasten-Skandalen berichtet wird?


Zu der Slide-Show: Buntsandstein und Ton binden laut dem Leitfaden Rüstungsaltlasten Sprengstoff, Mauerreste darf es bei einer abgeschlossenen Sanierung nicht geben und die Wurzelstöcke wurden nach Auskunft aus dem Regierungspräsidium getestet und verbrannt ...