Pressemitteilungen: Weitere Baumfällungen im Maulbacher Wald: doch für den Bau der A49?

 

 

Wie das Forstamt Romrod bestätigte, stehen im Maulbacher Wald weitere Baumfällungen an. Die Vorhabenträgerin des Autobahnausbaus der A 49 Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) hatte im letzten Dezember  die Fällung weiterer Flächen ausgeschlossen, dennoch wurden im Februar rechts und links der geplanten Autobahntrasse Streifen mit etlichen vitalen Bäumen gefällt - eine fachgutachterliche Stellungnahme geht von über 100 Bäumen aus. Hierfür hat sich bisher eine verantwortliche Stelle nicht gefunden.

 

Das Forstamt Romrod bestätigte nun die Planung von Fällungen aus Verkehrssicherungsgründen. Die DEGES weist einen Zusammenhang mit dem Autobahnausbau zurück, während die Obere Naturschutzbehörde schreibt, es wären Rückschnittsmaßnahmen für einen „planfestgestellten Schutzstreifen“ vorgesehen. Für diesen habe die Vorhabenträgerin DEGES Pläne vorgelegt. Unklar ist, wo im Planfeststellungsbeschluss ein solcher Schutzstreifen genehmigt ist, wieso bei einer angeblich vorliegenden Genehmigung Pläne mit der Oberen Naturschutzbehörde abstimmt werden müssen.

Das Vertrauen in die Rechtmäßigkeit der Planungen wird dadurch gravierend erschüttert, dass es bisher schon diverse illegale Arbeiten an dieser Stromtrasse im Maulbacher Wald gab. Zunächst wurden unter Polizeischutz neue Masten gebaut. Diese waren nicht genehmigt und wurden in der Zwischenzeit teilweise, aber nicht vollständig wieder zurückgebaut (vgl. unten). Erst nach der vermutlich illegalen polizeilichen Räumung einer Waldbesetzung im Maulbacher Wald Mitte Februar wurde bei der Planfeststellungsbehörde ein Antrag auf Rodung des Waldstücks gestellt, kurze Zeit später aber wieder zurückgezogen mit der Begründung, der ursprüngliche Plan solle umgesetzt werden, nämlich die Erhöhung der Maste 6 und 7. Allerdings folgt im Planfeststellungsbeschluss (S. 65) genau auf diese Aussage der Satz: „Im Falle einer Verlegung der Maste Nr. 6 und 7 aus der jetzigen Achse wird der Mast Nr. 5 als Winkelabspannmast neu gebaut.“ Das klingt, als ob dieser Plan damals nicht zu Ende gedacht worden ist.

Laut Plänen der Avacon scheint mit der Erhöhung der Masten 6 und 7 der Bau eines provisorischen Strommastes auf der gerodeten Trasse verbunden zu sein, der im Planfeststellungsbeschluss nicht vorgesehen ist. Das könnte erklären, warum es Abstimmungen zwischen der Vorhabenträgerin und der Oberen Naturschutzbehörde gibt. Einem provisorischen Strommast stünden aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht dabei allerdings nur rund ein Drittel der dort derzeit markierten Bäume im Weg. Die Frage bleibt auch, ob nicht die Planfeststellungsbehörde eigentlich dafür zuständig wäre.  

Dies wäre nicht das erste Mal, dass die Planfeststellungsbehörde umgangen wird: bereits die Rodungen für das mobile Betonwerk in Stadtallendorf hätten [iv] Diese Genehmigung wurde dabei innerhalb von so kurzer Zeit erteilt, dass artenschutzrechtliche und weitere Umweltauswirkungen kaum angemessen durchgeführt sein konnten: Mitte Februar hatte es einem Zeitungsbericht zufolge noch keine Festlegung auf ein bestimmtes Gelände gegeben, Ende Februar wurden die Rodungsarbeiten allerdings schon umgesetzt.

Es ist zu hoffen, dass im Maulbacher Wald keine weiteren gesunden Bäume gefällt werden – zu viele für die Natur und den Klimaschutz so wichtige Bäume sind bereits jetzt für den Autobahnausbau unwiederbringlich zerstört worden.

 

Illegale Aufstellung von Strommasten unter Polizeischutz

 

Obwohl die mit der Aufstellung von Strommasten im Maulbacher Wald betrauten Arbeiter mehrfach von Anwohner:innen darauf aufmerksam gemacht wurden, dass diese nicht genehmigt ist, fuhren sie mit der Fortführung der Arbeiten unter Polizeischutz fort. 

Inzwischen stoppte das hessische Wirtschaftsministerium die Arbeiten. Und es ist geklärt: die Strommasten werden nicht versetzt, sondern erhöht. Viele spannende Fragen bleiben offen - sie sind hier zu finden!  

Nicht nachvollziehbare Antworten der Polizei

 

Die A49-Presseabteilung der Polizei, antwortete auf die Frage, warum sie die Arbeiten geschützt hat: "die Polizei schützt die Arbeiten zum Weiterbau der A49. In der Vergangenheit kam es unter anderem zu Sachbeschädigungen und Brandstiftungen im Bereich der Trasse, aber auch bei Firmen, die Arbeiten im Zusammenhang mit dem Weiterbau der A49 durchführen. Wir kommen unserem verfassungsmäßigen Auftrag nach, Straftaten und Ordnungswidrigkeiten zu verhindern und zu verfolgen." Auf die Nachfrage, "herzlichen Dank für Ihre Nachricht! Leider habe ich sie nicht ganz verstanden. Entspricht es in Ihren Augen dem verfassungsmäßigen Auftrag der Polizei, illegale Bauarbeiten zu schützen und Security-Dienstleistungen für das Baugewerbe abseits der Autobahntrasse zu übernehmen?" kam die Antwort "meines Erachtens habe ich die Grundlagen für die von Ihnen beschriebenen polizeilichen Tätigkeiten ausreichend erläutert."  Das sind dabei nicht die ersten Ungereimtheiten beim Polizeieinsatz im Rahmen des geplanten Autobahnausbaus.

 

 


Recherche und Fotos: Christian Endres