Mangelhaftes Grundwassermonitoring

Das Regierungspräsidium Gießen schrieb im August 2021: "Alle vorhandenen Messstellen im Grundwasserabstrom des WASAG-Geländes werden seit April 2014 regelmäßig beprobt"

Das ist nachweislich falsch, wie eine Überprüfung der Werte ergeben hat! (vgl. Folie oben und weitere Einzelheiten unten) Und damit wird eine große Fläche des Gebietes, aus dem Wasser in Richtung des Wasserschutzgebietes fließt, nicht überwacht, obwohl hier Kontaminationen mit Sprengstoffen wahrscheinlich sind: südwestlich der sanierten Füllgruppe II  befanden sich in Kriegszeiten Trockenhäuser von Sprengstoffen, Altkanäle und eine Kläranlage des WASAG-Geländes (rot umkringelt). Auch ist es nach Abschluss einer Sanierung notwendig, dass Wasser zu kontrollieren, da es möglich ist, dass Schadstoffe mobilisiert werden und sich in nicht sanierte Bereiche bewegen. 

 

 

Das Regierungspräsidium schreibt außerdem: "Vor bzw. zu Beginn der bodeneingreifenden Maßnahmen wurden sämtliche o. g. Parameter (10-er Liste sprengstofftypische Verbindungen) an den Messstellen untersucht."  Auch das ist unzutreffend: Für die Messstellen A 33 und B336 konnten diese Werte nicht gefunden werden (vgl. nächste Folie). Dabei muss jedes Detail der Vorgaben eingehalten werden, um den Trinkwasserschutz für die 500.000 zu gewährleisten, die davon abhängig sind, wie der Geschäftsführer der mittelhessischen Wasserwerke erklärt! 

Gravierende Konsequenzen: Kontaminationen werden nicht aufgespürt!

 

Laut Planfeststellungsbeschluss dürfen „belastete Böden von weniger als 80 mg TNTTE/kg „vor Ort verbleiben, wenn aus ihrem Bereich eine Kontamination des Grundwassers ausgeschlossen ist."[1] Da diese Kontamination durch die fehlende Überwachung nicht ausgeschlossen sein kann, ist diese Vorgabe des Planfeststellungsbeschluss nicht eingehalten. Es ist dringend erforderlich, weitere kontaminierte Bereiche zu sanieren oder verschiedene Messstellen nutzbar zu machen oder neu einzurichten. Denn mit dem Ausbau der A49 geht ein „hohes Risiko“ für die Wasserversorgung einher, die es notwendig macht, dass sämtliche Details der Bestimmungen eingehalten werden.[2]



[1] Planfeststellungsbeschluss S. 61 Nr. 9

[2] https://www.giessener-allgemeine.de/kreis-giessen/kreis-giessen-grossprojekt-bringt-hohes-risiko-wasserversorgung-mittelhessen-13135647.html

Merkwürdigkeiten beim Monitoring I

Laut Sanierungsplan wurde „zur Überwachung der Grundwasserverhältnisse im Bereich des WASAG-Geländes … im Frühjahr 2014 ein Grundwassermonitoring bestehend aus acht Grundwassermessstellen eingerichtet (WAS 4-8 und die Dreifachmessstelle WAS 12 A,B,C). Dieses dient der Überwachung des abströmenden Grundwassers aus dem Gebiet und soll prüfen, ob Sprengstoffverbindungen über den Sickerwasserpfad in das Grundwasser eingetragen werden. Es ist von einer Gefährdung des Grundwassers auszugehen.“[1] Da dieses Monitoring als nicht hinreichend erachtet wurde (vgl. auch die Karte auf der nächsten Seite), wurden 2017 drei weitere Messstellen in das Monitoring aufgenommen. [2] Für zwei wichtige dieser neuen Messstellen liegen keine Werte vor:

  • Die Messstelle A 33, für die laut Planfeststellungsbeschluss bereits vor der Sanierung Werte gemessen werden sollten, scheint trocken gefallen - es liegen in den Kurzberichten zum Grundwassermonitoring (anders als zu den übrigen Messstellen) keine Werte vor.
  • Auch für die Messstelle B 336 liegen keine Werte vor, obwohl sie im Sanierungsplan 2017 in das Grundwassermonitoring aufgenommen wurde. Diese Messstelle konnte vor Ort nicht gefunden werden.

 



[1] Sanierungsplan 2017, S. 17

[2] Vgl. ebda. Seite 109: „… da das aktuelle Messtellennetz (Stand Juli 2017) den Sanierungsbereich Füllgruppe II nur unzureichend erfasst, wird das Grundwassermessstellennetz erweitert.“ Umgesetzt wurde von dieser Erweiterung aber nur die Einrichung der Messstelle WAS 14 neu.

Merkwürdigkeiten beim Monitoring II

Fraglich ist außerdem, warum keine weiteren Messstellen aufgenommen wurden:

  • Die Messstelle P 19 (vgl. die Karte, dort durchgestrichen am linken Bildrand auf mittlerer Höhe) ist laut Sanierungsunterlagen nicht mehr vorhanden, so dass sie nicht in das Grundwassermonitoring aufgenommen wurde. Bild 2 zeigt die (anscheinend doch vorhandene) Messstelle.
  • Die Messstelle M 1 A wurde nicht in das Grundwassermonitoring aufgenommen, da sie laut den Sanierungsunterlagen nicht zugänglich ist. Bild 3 zeigt die (anscheinend doch zugängliche) Messstelle.
  • Auch die Messstelle P 36 wurde nicht in das Grundwassermonitoring miteinbezogen, ebensowenig die Grundwassermessstellen GWM 025.17 und GWM DPH 5.01.17 (letztere wurde erst im Mai 2021 gebohrt)

Damit wird das Abstromgebiet einer großen Fläche südwestlich der Füllgruppe II nicht überwacht, obwohl sich dort in Kriegszeiten u. a. Trockenhäuser von Sprengstoffen, Altkanäle und eine Kläranlage befanden (auf der Karte rot umkringelt) sowie mindestens ein nicht näher bestimmtes Gebäude in der Nähe der Artilleriestraße[1]. Hier wurden im April lösungsmittelartige Gerüche wahrgenommen und diverse Kalksäcke aufgebracht[2] mit der Begründung, der Kalk diene der Stabilisierung. Das wäre nicht das erste Mal, dass der Öffentlichkeit die Wahrheit vorenthalten wird.[3]

 



[1] Foto des WASAG-Geländes von 1948. In: Preuss, Eitelberg et al. 1991, Erkundung und Rekonstruktion des Sprengstoffwerkes der Westfälisch Anhaltischen Sprengstoff AG, erstellt für das RP Gießen in Vertretung für Umweltministerium Land Hessen. Vgl.  https://www.danni-lebt.de/un-recht/wasserschutz/grundwassermonitoring/

[2] Foto: https://www.danni-lebt.de/un-recht/wasserschutz/grundwassermonitoring/

[3] Vgl. eine Dokumentation von RTL aus dem Jahr 1989 https://www.youtube.com/watch?v=32sPayrOs80&t=256s


Unten: die angeblich nicht vorhandene Messstelle P 19,

rechts: die angeblich nicht zugängliche Messstelle M1A