Nicht planfestgestellte Bauarbeiten an einer ehemaligen Kläranlage

 

Im WASAG-Gelände an der General-Nehring-Straße wurde im Frühjahr 2021 eine Fläche gerodet, die nicht im Planfeststellungsbeschluss eingezeichnet ist. (Foto 1). Es hieß auf Nachfrage, die Rodung sei für die Verlegung einer Erdgasleitung vorgesehen gewesen. (Auch dafür wäre wegen der Konzentrationswirkung eine Genehmigung der Planfeststellungsbehörde notwendig gewesen.)

 

Im März 2022 wurden hier Bauarbeiten dokumentiert. (Foto 2).

Im April 2022 wurden hier Baggerarbeiten durchgeführt und ein Betonkasten errichtet (Foto 3)

Auf Geoportal Hessen ist zu sehen, dass sich in diesem Bereich eine Kläranlage befunden hat (Foto 4: Quelle: Geoportal Hessen)

Und in der Tat zeigt ein Blick auf das ausgegrabene Gelände neben dem Betonklotz Rinnen an. (Foto 5)

Ein Zusammenhang mit der Autobahn zeigt sich durch das Hinweisschild: "Einfahrt BW 4" (= die Brücke der Main-Weser-Bahn) (Foto 6)

 

Diese Kläranlage aus Kriegszeiten ist für das Wasser aus dem WASAG-Gebiet in Betrieb. Das Wasser wird anschließend durch die alten Kanäle in die Joßklein geleitet, ohne dass dort eine Beprobung des Wassers auf sprengstofftypische Verbindungen erfolgt. 

 

Besonders skandalös: in diesem Bereich gibt es keine Überwachung des Grundwassers!

 

(Weiter unten gibt es die Bilder in größer in einer Slideshow.)

 

In den Bauwerksverzeichnissen zum Planfeststellungsbeschluss mitsamt den Planänderungen findet sich auf Höhe des Klärwerks bei Baukilometer 59+447 lediglich der Hinweis, das dort ein Fernmeldekabel abzusichern ist. 

Auf diesem Foto vom 4. Juni 22 ist vorne ein alter Schacht der WASAG-Bahn zu sehen.

 

Deutlich ist zu sehen, dass sehr viel Erdreich abgetragen wurde, um den runden Schacht einzubauen. Außerdem wurde Erde abgetragen, um eine Leitung unter der Straße zu verlegen - sie ist im im Planfeststellungsbeschluss aufgeführt.

Das Betonhäuschen (weißer Quader) liegt direkt im Abflussbereich der Kläranlage. 

 

Das Regierungspräsidium hat auf eine Aufforderung vom 4. Mai 2022, umgehend eine Beprobung des Geländes in die Wege zu leiten, bisher nicht geantwortet. 

Die gesamten Oberflächenwasser, die sich im Trassenbereich des WASAG-Geländes oberhalb der Artilleriestraße ansammeln (vgl. die Fotos hier)  sind hier alle gesammelt worden und fließen Richtung Joßklein, ohne  dass - wie im Planfeststellungsbeschluss vorgeschrieben -  eine Vorbehandlung bzw. Reinigung in einem Regenrückhaltebecken erfolgen würde. Eine solche Reinigung wäre hier allerdings auch gar nicht hinreichend, ist doch nicht ausgeschlossen, dass das Wasser sprengstofftypische Verbindungen aus dem Boden ausgewaschen hat und diese unentdeckt in die Joßklein eingebracht werden. 

Woher stammt das Hexyl?

 

 

Dass Regierungspräsidium geht aufgrund von "Indizien" davon aus, dass sich auf der Trasse tatsächlich Hexyl befindet. Liegen diese Indizien vielleicht darin begründet, dass die Erde gar nicht aus der Baugrube südlich der Artilleriestraße stammt, sondern aus dem Bereich der Kläranlage?


Dafür spricht, dass neben dem Haufen mit der kontaminierten Erde Betonreste gesammelt waren (vgl. das Bild rechts vom 24.3.22). In der Woche des Baustopps wurden unzählige solcher Baureste geschreddert - selbst noch nach dem Baustopp. Trotz möglicher Kontaminationen sind die Haufen mit den Betonresten nicht abgedeckt.  

 

Illegale Arbeiten

 

Für den Bereich der Kläranlage gab es keine Bodenerkundung. Dieser Bereich war nicht Bestandteil der Gefährdungsabschätzung und oder eines  Planergänzungsverfahrens. Damit handelt es sich um illegale Arbeiten - unabhängig davon, ob das Hexyl nun von hier stammt oder von einer anderen Stelle. 

Weitere Veränderungen an der Kläranlage