Pressemitteilung von „Keine A 44 – Verkehrswende JETZT!“

Stiftswald bleibt – Danni lebt – Internationale Klimagerechtigkeit JETZT!“

Raddemo von Kassel in den Stiftswald am 28.2.2021, Abfahrt: 12 Uhr Kassel Hbf,

als Critical Mass über die B7, zum Waldspaziergang entlang der geplanten A44 Trasse,

ab 13 Uhr Ziegelhütte, Oberkaufungen

Wir sind eine offene + vielfältige Gruppe mit dem Namen „KeineA44 – Verkehrswende JETZT!“, die sich für mehr Klimaschutz in Kaufungen und gegen den Neubau Autobahn A 44 einsetzt. Wir wollen über die Auswirkungen der Autobahn in Kaufungen aufklären und die Folgen der Klimakrise aufzeigen. Vor allem jedoch wollen wir den Neubau der A 44 in Kaufungen verhindern.

Um auf die Auswirkungen der geplanten A44 aufmerksam zu machen, organisieren wir zusammen mit der „Critical Mass Kassel“ Fahrraddemos in den Stiftswald und Waldspaziergänge entlang der geplanten A44 Trasse. Zum erste Termin am Sonntag, den 31. Januar, kamen schon 500 Menschen. Diesmal sind mehr zu erwarten. Weitere Veranstaltungen sind für den 28. März und den 25.April in Planung. Eine Mahnwache in Kaufungen ist in Planung und weitere Aktionen sollen folgen.

Die Redebeiträge vor dem aktuellen Waldspaziergang gehen auf die Notwendigkeit einer internationalen Klimagerechtigkeit ein. Klimagerechtigkeit ist ein Teil der Umweltgerechtigkeit das den gegenwärtigen Klimawandel als ein politisches Problem betrachtet, anstatt lediglich nur als eine Umweltherausforderung. Klimagerechtigkeit soll dafür sorgen, dass die heute ungleiche Verteilung der Folgen der globalen Erwärmung unter Berücksichtigung des Verursacherprinzips ausgeglichen wird, da jene Bevölkerungsgruppen (mehrheitlich im globalen Süden), die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, oftmals am stärksten und ungeschütztesten unter seinen Folgen zu leiden haben.

Ziel dieses Ansatzes ist es unter anderem, den Klimawandels mit Konzepten der Gerechtigkeit in Verbindung zu bringen, insbesondere mit sozialer Gerechtigkeit, indem Themen wie Gleichheit, Menschenrechte und kollektive Rechte für den Klimawandel untersucht werden. Die Klimagerechtigkeitsbewegung betrachtet den Klimawandel dabei als Produkt sozialer Ungleichheit und eines globalen Wirtschaftssystems, das dauerndes Wachstum als unabdingbar ansieht.

Die Pfarrerin Susanne Hüfken aus Kaufungen wird im Rahmen des Weltgebetstages über die Situation im pazifischen Inselstaat Vanuatu berichten, der durch steigende Meeresspiegel existentiell bedroht ist.

Ein Redebeitrag der Gruppe „Extinction Rebellion Kassel“ beschäftigt sich mit dem Thema „Klimagerechtigkeit und Menschenrechte“

Gleichzeitig wollen wir auch vor Ort präsent sein und auf die Auswirkungen des Neubaus einer Autobahn in Kaufungen aufmerksam machen. Die geplante Autobahn A44 wird an vielen wichtigen, teilweise essentiellen Stellen des Kaufunger Lebens direkt entlang führen und zu massiven Veränderungen führen:

  • der wichtigste Kaufunger Trinkwasserbrunnen wird geschlossen und es ist völlig offen, ob er je wieder eröffnet werden kann

  • die erhebliche Flächenversiegelung von hochwertigem Ackerboden führt zu weiterem Höfesterben in der Region

  • der Stiftswald wird als Naherholungsgebiet von einer breiten Autobahntrasse zerschnitten und vom Dorf abgetrennt

  • Die Autobahntrasse liegt gerade 100 m von dem Ruheforst entfernt, wo sich viele Kaufunger:innen beerdigen lassen. Der Ruheforst ist stark nachgefragt und will sich erweitern. Eine Beerdigung hier ist nun mit erheblicher Lärmbelästigung verbunden

  • Der Panoramaweg, ein beliebter Spazierweg für alle Kaufunger:innen, läuft nun direkt neben der geplanten Trasse und ist dadurch sehr unattraktiv.

  • Einschnitte in die Berghänge sehen nicht nur unschön aus, sondern bedeuten auch grobe Einschnitte in die Flora und Fauna in der Gemeinde.

  • Der Biber, der 400 Jahre nach seinem Aussterben wieder zurück in die Losse eingewandert ist, wird empfindlich in seinem Lebensraum gestört. In Niederkaufungen und Papierfabrik sollen alte Brückenbauten über die Losse abgerissen und neue Autobahnbrücken und Aus- und Auffahrten zwischen B7 und der A44 in Gewässernähe gebaut werden. Der Biber ist jedoch in den bisher veröffentlichen Massnahmen nicht berücksichtigt!

  • Die sehr seltene und sehr geschützte Bechsteinfledermaus war der Grund, warum das letzte Planfeststellungsverfahren (2006!) abrupt ausgesetzt und nie weitergeführt wurde. Für sie ist ein Umsiedlungsprogramm auf die andere Losseseite geplant worden. Die Bechsteinfledermaus ist eine sehr scheue und empfindliche Art, die nur in ganz bestimmten Höhen und Regionen siedelt und jagt. Dieses Umsiedlungsprogramm ist ein Versuch, den es noch nie gegeben hat und niemand weiß, ob er tatsächlich funktioniert.

  • Der Stiftswald ist ein gesunder Mischwald mit starken Buchenanteil und vereinzelten Fichten und sehr alten Eichen (bis 200 Jahre). Aufgrund seiner Nordhanglage ist er ein gesunder Wald, der noch nicht so sehr mit Hitze und Trockenheit zu kämpfen hat wie andere Wälder. Er hat eine wichtige Wasserspeicherfunktion und beherbergt einige Naturschutzflächen, die aus dem Wirtschaftswald herausgenommen sind. Er ist Jagd- und Lebensraum für den Luchs gewesen, der, aus dem Harz kommend hier in den Thüringer Wald eingewandert ist.

Wir wollen darüber hinaus die Auswirkungen der Klimakrise in Kaufungen sichtbar machen und Alternativen erarbeiten und anbieten. Eine andere Mobilität ist notwendig! Mehr ÖPNV und Vorrang für das Fahrrad. Diese ist mittels einer ökologischen Verkehrswende aufzubauen. Wir müssen den Wald als Lebens- und für uns überlebensnotwendigen Raum erkennen und entsprechend behandeln. Der Verkehr ist der einzige Sektor, der zur CO2-Reduzierung in den letzten 30 Jahren so gut wie nichts beigetragen hat. Neue Straßen erzeugen einfach nur immer mehr Verkehr. Dass es zu einer Entlastung kommen wird ist ein Trugschluss, dem wir immer wieder aufsitzen.

Die anhaltende Umweltzerstörung durch Straßenbau muss beendet werden und ein Zeichen für die Dringlichkeit einer ökologisch nachhaltigen und sozial gerechten Verkehrs- und Mobilitätswende gesetzt werden. Bauvorhaben wie die A49 im Dannenröder Forst und der Neubau der A44 im Stiftswald müssen als das bezeichnet werden was sie sind: klimaschädliche Mobilitätskonzepte von vorgestern.

Diese Raddemo und der Waldspaziergang im Stiftswald ist Teil des “Dannikalenders 7x7= keine A49“ der Parents For Future Deutschland. Wir solidarisieren uns mit dem Protest gegen den Ausbau, denn:

-► Mit dem geplanten Ausbau wird die Trinkwasserversorgung von mehreren Hunderttausend Menschen der Rhein-Main-Region gefährdet - einerseits wegen der zunehmenden Dürre und andererseits wegen der gefährlichen Altlasten im Untergrund.

-► Die „zwingenden Gründe des öffentlichen Interesses“, die notwendig sind, um das Naturschutzgebiet zerstören zu dürfen, sind nicht vorhanden. Die Zahlen sind veraltet und fehlerhaft.

-► Der Ausbau gefährdet die Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens, weil sich mit dem Ausbau das Verkehrsaufkommen noch weiter erhöhen wird.

Darüber hinaus ist die Rechtslage kritisch:

-► Die Genehmigung der EU, für den geplanten Ausbau ein wichtiges europäisches Naturschutzgebiet zu zerstören, beruht auf falschen Fakten (einem „Übersetzungsfehler“),

-►es wurde gerichtlich bestätigt, dass Gutachten zum Wasserschutz fehlerhaft sind,

-► der Bund der Steuerzahler hat das Projekt schwer gerügt und

-► Bundestagsmitglieder durften gegen geltendes Recht die Finanzierung nicht einsehen.

Wir fordern daher einen sofortigen Baustopp,

-► bis in einem unabhängigen Gutachten die Trinkwasserversorgung geprüft und sichergestellt wird und dann

-► die Finanzierung dem Bundestag offen gelegt wird und unabhängige Gutachter nachweisen, dass dieses ÖPP-Projekt günstiger ist als der Ausbau der Autobahn ohne privatwirtschaftliche Beteiligung. (Belege für sämtliche Argumente sind auf der Seite www.danni-lebt.de verlinkt.)

Unsere Solidarität für den Danneröder Wald und Widerstand gegen die A49 und die A44 soll bunt und vielfältig werden. Wir rufen alle Menschen, die sich für unsere Umwelt, für notwendigen Klimaschutz und gegen den Autobahnwahnsinn einsetzten wollen dazu auf, sich dem Bau aller Autobahnen mit kreativen Mitteln und Aktionen entgegenzustellen.

Wir freuen uns über eine Berichterstattung und stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung.

Mit solidarischen Grüßen, Jona Königes

 

Home: www.KeineA44.de

twitter: @keineA44

 

Presse: presse@keineA44.de

 

"Umwelt & Menschenrechte - für ein lebenswertes Leben für alle und überall"

Aktionstag in Seligenstadt am 2.3.2021 zu Klimagerechtigkeit, Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit 

 

Was haben solch unterschiedliche Themen wie Klimakrise, Verkehrspolitik, Menschenrechte und soziale Fragen miteinander zu tun? Dieser Frage widmet sich eine zweistündige Kultur-und Informationsperformance am 2. März 2021 auf dem Seligenstadt Marktplatz. Im Rahmen des "Dannikalenders 7x7 - keine A 49" von Parents for Future, in dem an 49 Tagen an über 49 Orten bundesweit in Aktionen auf Fragen des Walderhalts, der Klima-und Verkehrspolitik hingewiesen wird, findet auch in Seligenstadt ein Aktionstag statt. Überschrift: "Umwelt & Menschenrechte - für ein lebenswertes Leben für alle und überall". Lokaler Veranstalter ist die Seligenstädter Menschenrechtsorganisation TOKATA-LPSG RheinMain, ein Verein zur Unterstützung indianischer Jugend-, Kultur- und Menschenrechtsprojekte und zur Verteidigung des indianischen politischen Gefangenen Leonard Peltier. Gemeinsam mit regionalen Unterstützer*innen aus sozialen Bewegungen und Kulturleben soll mit einer Kunstinstallation, Informationstafeln sowie einem Mix aus Livemusik, Lesung und Medienbeiträgen ein inhaltlicher Brückenschlag erfolgen, der Themen wie Menschenrechte, Klimagerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit auch aus globaler Perspektive verbindet. Hierbei wird auch auf Waldsterben, CO 2 Emissionen, Ursachen globaler Fluchtbewegungen sowie Folgen von Naturzerstörung und Ressourcenausbeutung für indigene Völker verwiesen. Der Seligenstädter Autor, Sozialwissenschaftler, Menschenrechts- und Umweltaktivist Dr. Michael Koch, u.a. auch bei Scientists for Future engagiert, liest in diesem Zusammenhang auch entsprechende Passagen aus seinem Buch "Ein Leben für die Freiheit-Leonard Peltier und der indianische Widerstand" vor, die sich vor allem mit dieser komplexen Problematik auseinandersetzen. "Wenn wir uns hierzulande für den Erhalt von Wäldern wie den Dannenröder oder Hambacher Wald und von Dörfern einsetzen, die wegen des Braunkohleabbaus vom Abriss bedroht sind, dann müssen wir uns konsequenter Weise auch für den Erhalt von Wäldern und Natur und für die Lebensbedingungen von Menschen weltweit engagieren und uns dabei auch solidarisch mit vom Völkermord bedrohten Indigenen oder Menschen auf der Flucht zeigen", so die Veranstalter. "Es gibt keinen Planeten B".

Am Dienstag, den 2. März 2021 können sich interessierte Bürger*innen bei entsprechender Witterung zwischen 12:00 und 14:00 Uhr auf dem Seligenstädter Marktplatz informieren. Eine kleine Kunstinstallation erlaubt einen zukünftigen Blick auf den Wald 2.1.  Passende Songs, Lesungen sowie Medien-Beiträge wie z. B. ein satirisches Interview mit dem fiktiven neuen Wirtschaftsminister Peter Neumüller oder Impressionen von der Räumung des Dannenröder Waldes machen die Kultur- und Infoperformance zu einer kurzweiligen, aufklärerischen und unterhaltsamen Veranstaltung zugleich. Und natürlich werden bei alledem die notwendigen Pandemie-Schutzmaßnahmen beachtet.