Ignorierte Gefahr von kontaminiertem Holz

Auf der Trasse wurden in 2021 etliche verfärbte Hölzer gefunden, die auf einen TNT-Schnelltest positiv reagiert haben. Kein Wunder, wurden doch nur 600 Tonnen Wurzelstubben aus einem Teil der Trasse entsorgt - ungeachtet der Tatsache, dass nach dem Krieg unkontrollierte Sprengungen auf dem Gelände erfolgte.  Auf der Trasse gefundene auffällig orange verfärbte Wurzelstöcke reagierten im Gegensatz zu Vergleichsproben positiv auf einen TNT-Schnelltest. Das Regierungspräsidium in Gießen ging diesen Hinweisen nicht nach, obwohl solche TNT-Schnelltests im benachbarten DAG-Gelände genutzt wurde, um zu sanierende Flächen aufzuspüren (vgl. Mosal-Bericht S. 103, vgl. Bilder unten).  Dort ist ausgeführt, dass eine dunkelrote Verfärbung eine starke Belastung anziegt.

Das Regierungspräsidium hatte auf diese Information hin festgestellt, dass 600 Tonnen Wurzelstubben entsorgt worden seien und dass Proben unbedenklich waren. Es waren von diesen 600 Tonnen allerdings nur 13 Proben genommen worden. Fast die Hälfte davon war gering sprengstoffbelastet. Und in Anbetracht der Tatsache, dass in der Ausschreibung zur Füllgruppe II die Entsorgung von 15.000 Tonnen an belasteten Stubben vorgesehen war, lässt sich leicht errechnen, wie viele Wurzelstubben auf dem von der Autobahntrasse betroffenen WASAG-Gelände geschreddert und untergemulcht wurden. Dazu kommen noch sämtliche Wurzelstubben und Gehölze außerhalb der sanierten Bereiche. 

 

Merkwürdig auch: Das Regierungspräsidium gibt an, die Wurzelstubben seien im Frühjahr 2020 entsorgt worde, die vorgelegten Entsorgungsprotokolle stammen allerdings alle aus dem Jahre 2019. (Demnach wurden sämtliche danach noch auf der Trasse befindlichen Hölzer weder beprobt noch entsorgt.)

 

Im gesamten – also auch im sanierten Bereich - wurde außerdem nicht eingerechnet, dass auch Tannennadeln und Gehölze Hexogen frei geben, und es wurde nicht berücksichtigt, dass im Leitfaden Rüstungsaltlasten (A. Joos u. a.) eine thermische Verwertung aller Hölzer empfohlen wird (vgl. S. 58-65 des Dokumentes). 

Dieser Leitfaden aus dem Jahr 2008 wurde im Sanierungsplan von 2017 nicht berücksichtigt. Dort steht, dass die Gehölze verkauft werden können und die Erde an den Wurzelstubben nur wegen den möglicherweise Schadstoffen in der Erde analysiert werden sollen. (vgl. S. 72) „Der oberirdische Pflanzenschnitt ist nach den bisherigen Erfahrungen am Standort als unbelastet einzustufen. Das bei der Freimachung der Flächen anfallende Holz kann bei Bedarf durch die Eigentümer oder andere Interessierte verwertet werden. Nicht verwendbarer Pflanzenschnitt wird geschreddert und entsorgt. Unterirdische Pflanzenteile Stubben sind aufgrund der Erdanhaftungen als potenziell belastet einzustufen.“ 

So ist dokumentiert: Zur Auffindung von Sekundärkontaminationen sind jedoch die o.g. Strategien nur sehr begrenzt geeignet. Hier hat sich ein flexibles Vorgehen bei der Probenahme bewährt:   ...  Für TNT und weitere Nitroaromaten hat sich z.B. als Schnelltest eine Lösung aus 1 N NaOH/Aceton bewährt. Mit Nitroaromaten wird ein roter Farbkomplex gebildet. Dieser Schnelltest kam erstmals 1988 bei orientierenden Untersuchungen in der ehemaligen TNT-Fabrik "Werk Tanne" erfolgreich zum Einsatz (HAAS et al. 1990), vgl. Punkt 6.1. des links.

Auch im benachbarten DAG-Gelände wurde dieser Test eingesetzt, wie im Abschluss-Bericht (MOSAL) dokumentiert ist:



Sanierungsplan contra Altlastenstudie

 

Im Sanierungsplan heißt es, der oberirdische Pflanzenschnitt sei als unbelastet einzustufen und Stubben seien allein aufgrund der Erdanhaftung als potenziell belastet einzustufen. Das sieht die Studie zum Thema Rüstungsaltlasten hrsg. vom Bundesministerium für Forschung und BIldung anders (S. 58-65)

RDX = Hexogen auf dem WASAG-Gelände

Hexogen ist dabei für das Gelände bedeutsam, wie die Schrift "Kontaminationsbearbeitung in der Bundeswehr"  S. 56 aufzeigt.