Ignorierte Gefahr von kontaminiertem Holz

Potentiell kontaminierte Wurzelstubben lagern ohne Abdeckung in der Nähe des Wasserschutzgebietes

Im April 2019 wurden entgegen den Erwartungen Wurzelstubben aus dem Weißbereich (also dem eigentlich unschädlichen Bereich) beprobt und als belastet eingestuft! Daher wurden bis Dezember 2019 statt der veranschlagten 15 Tonnen ca. 600 Tonnen entsorgt. In fünf Baufeldern wurden die Wurzelstubben allerdings erst im Juli 2020 gerodet. Diese wurden allerdings weder beprobt noch  entsorgt. Ob es sich bei dem abgebildeten Haufen auf dem Parkplatz gegenüber der Hessenkaserne um dieses Material handelt? Die Verfärbungen des Asphalts lassen jedenfalls den Schluss zu, dass es sich hier nicht um unschädliches Material handelt. Einer Aufforderung zur Beprobung ist das Regierungspräsidium bisher nicht nachgekommen.

 

Auch geht noch eine Gefahr von dem Wurzelmaterial aus, dass im Februar 2019 unbeprobt geschreddert und großflächig verteilt wurde. 

Kontaminierte Wurzelstubben auf der Trasse

Auf der Trasse wurden in 2021 etliche verfärbte Hölzer gefunden, die auf einen TNT-Schnelltest positiv reagiert haben. Auf der Trasse gefundene Wurzelstöcke reagierten im Gegensatz zu Vergleichsproben positiv auf einen TNT-Schnelltest. Das Regierungspräsidium in Gießen ging diesen Hinweisen nicht nach, obwohl solche TNT-Schnelltests im benachbarten DAG-Gelände genutzt wurde, um zu sanierende Flächen aufzuspüren (vgl. Mosal-Bericht S. 103, vgl. Bilder unten).  Dort ist ausgeführt, dass eine dunkelrote Verfärbung eine starke Belastung anzeigt. Stattdessen stellte das Regierungspräsidium fest, 

dass 600 Tonnen Wurzelstubben entsorgt worden seien und dass Proben unbedenklich waren. Es waren allerdings nur 13 Proben genommen worden, fast die Hälfte davon war sprengstoffbelastet. Daher wurden nicht wie in der Ausschreibung zur Füllgruppe II vorgesehen lediglich 15 Tonnen an belasteten Stubben entsorgt ( Unterpunkt 1.40. 140 Transport und Entsorgung Stubben (belastet) 10 t, 2.25. 140 Transport und Entsorgung Stubben (belastet) 5 t), sondern über 600 Tonnen. Aber auf dem Gelände fiel deutlich mehr Holz- und Stubbenmaterial an. Zahlreiche Fotos belegen, dass Wurzelstubben nach 2019 (dem Jahr aus dem die Entsorgungsprotokolle stammen) auf dem von der Autobahntrasse betroffenen WASAG-Gelände geschreddert und untergemulcht wurden. Kein Wunder, dass die DEGES auf ihrer Homepage nichts von einer Entsorgung der Hölzer schreibt!

 

Ungeachtet der Tatsache, dass nach dem Krieg unkontrollierte Sprengungen auf dem Gelände erfolgten, die es unmöglich machen, die Kontaminationen einzugrenzen, behauptete das Regierungspräsidium, es läge keine Schutzgutgefährdung vor.

 

Im gesamten – also auch im sanierten Bereich - wurde außerdem nicht eingerechnet, dass auch Tannennadeln und Gehölze Hexogen frei geben, und es wurde nicht berücksichtigt, dass im Leitfaden Rüstungsaltlasten (A. Joos u. a.) eine thermische Verwertung aller Hölzer empfohlen wird (vgl. S. 58-65 des Dokumentes). 

 

Schnelltests zur Auffindung von Kontaminationen

Das Regierungspräsidium wies die Bedeutung des TNT-Schnelltests zurück. Allerdings werden ebensolche Tests zu orientierenden Untersuchungen empfohlen:  "Zur Auffindung von Sekundärkontaminationen sind jedoch die o.g. Strategien nur sehr begrenzt geeignet. Hier hat sich ein flexibles Vorgehen bei der Probenahme bewährt:   ...  Für TNT und weitere Nitroaromaten hat sich z.B. als Schnelltest eine Lösung aus 1 N NaOH/Aceton bewährt. Mit Nitroaromaten wird ein roter Farbkomplex gebildet. Dieser Schnelltest kam erstmals 1988 bei orientierenden Untersuchungen in der ehemaligen TNT-Fabrik "Werk Tanne" erfolgreich zum Einsatz" (HAAS et al. 1990), vgl. Punkt 6.1. des links.

Sogar im benachbarten DAG-Gelände in Stadtallendorf wurde dieser Test eingesetzt, wie im Abschluss-Bericht (MOSAL) dokumentiert ist:


Mängel im Sanierungsplan

Der Leitfaden Rüstungsaltlasten (A. Joos u. a.) hrsg. vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (S. 58-65) aus dem Jahr 2008 wurde im Sanierungsplan von 2017 nicht berücksichtigt. Dort steht, dass die Gehölze verkauft werden können und die Erde an den Wurzelstubben nur wegen den möglicherweise Schadstoffen in der Erde analysiert werden sollen. (vgl. S. 72) „Der oberirdische Pflanzenschnitt ist nach den bisherigen Erfahrungen am Standort als unbelastet einzustufen. Das bei der Freimachung der Flächen anfallende Holz kann bei Bedarf durch die Eigentümer oder andere Interessierte verwertet werden. Nicht verwendbarer Pflanzenschnitt wird geschreddert und entsorgt. Unterirdische Pflanzenteile Stubben sind aufgrund der Erdanhaftungen als potenziell belastet einzustufen.“ 

 

RDX = Hexogen auf dem WASAG-Gelände

Hexogen ist dabei für das Gelände bedeutsam, wie die Schrift "Kontaminationsbearbeitung in der Bundeswehr"  S. 56 aufzeigt.