Große Flächen unbeprobt und unsaniert

Dieses Bild des Trassenabschnitts im Gelände des ehemaligen Sprengstoffwerkes der WASAG zeigt, dass nur ein kleiner Teil des von der Trasse betroffenen Geländes saniert wurde - die grauen Flächen. Die roten Flächen wurden allein auf Basis einer Handvoll Proben für nicht sanierungsbedürftig erklärt, obwohl nicht alle dort zu Kriegszeiten befindlichen Gebäude bekannt sind (siehe unten) und obwohl nach dem Krieg unkontrolliert gesprengt wurde, so dass Kontaminationsflächen auf den nicht sanierten Abschnitten hochwahrscheinlich sind. (Bildquelle: Sanierungsplan der DEGES)) Aber selbst die grauen Flächen wurden nicht vollumfänglich saniert, sondern nur wenige Areale darin. Der größte Teil der als saniert bezeichneten Fläche wurde aufgrund von Rasterbeprobungen aus der Sanierung entlassen. Dabei ist bei dem verwendeten Rasternetz die Wahrscheinlichkeit, dass vorhandene Kontaminationen nicht entdeckt wurden immens.

Unzureichende Untersuchung möglicher Altgebäude

Es hat nur eine unzureichende Untersuchung möglicher Altgebäude im Bereich des WASAG-Geländes stattgefunden. Es wurden augenscheinlich weder vor noch nach der Rodung Luftbilder angefertigt, um nicht dokumentierte Gebäudereste aufzuspüren. Mindestens die Grundmauern eines Gebäudes, die nach den Rodungsarbeiten zu Tage traten, konnten vom Regierungspräsidium nicht zugeordnet werden. Schließlich sei in den übrigen Bereichen eine Kontamination dadurch auszuschließen, dass das Leitparameter TNT in den übrigen untersuchten Bereichen nicht beziehungsweise nur in sehr geringer Konzentration nachgewiesen werden konnten. Aufgrund der sehr wenigen Probennahmen im Altlastenbereich (im Durchschnitt ca. alle 200 m) ist diese Begründung nicht nachvollziehbar. 

 

Damit wird Nebenbestimmung 18 zum Bodenschutz im Planfeststellungsbeschluss missachtet: „Die Untersuchung möglicher Altgebäude im Bereich des WASAG-Geländes ist durchzuführen.“ Auch war die Im Planfeststellungsbeschluss geforderte Gefährdungsabschätzung völlig unzureichend.

Kartiertes Gebäude ohne Beprobung

Auf alten Plänen ist minimal neben der Trasse ein Gebäude dokumentiert, das nicht Bestandteil von Beprobungen war (vgl. das rot umkringelte Gebäude im Bild unten nach einem Foto des WASAG-Geländes von 1948. In: Preuss, Eitelberg et al. 1991, Erkundung und Rekonstruktion des Sprengstoffwerkes der Westfälisch Anhaltischen Sprengstoff AG, erstellt für das RP Gießen in Vertretung für Umweltministerium Land Hessen). Im Umkreis dieses Gebäude sind Kontaminationen sehr wahrscheinlich, trotzdem wurde keine Beprobung durchgeführt, obwohl davon auszugehen, dass Versorgungskanäle im Bereich der Trasse vorliegen, die nach den Bestimmungen im Planfeststellungsbeschluss hätten untersucht werden müssen.

Diese im April 2021 dokumentierten Steine lagen in der Nähe der alten WASAG-Bahn unterhalb der Main-Weser Bahn Richtung Joßklein. Kontaminationen sind nicht auszuschließen, aber die Steine wurden weder beprobt noch ist etwas über Verbleib bekannt.

Auch dieser große Stein lag nach dem Ende der Sanierung noch auf dem Gelände der Füllgruppe II oberhalb der Artilleriestraße. 

Altkanäle ohne Beprobung

Das untere Bild von Dezember 2021 zeigt Altkanäle. Beprobungs- oder Sanierungsunterlagen dazu fehlen. Es lag Anfang März 2022 immer noch an derselben Stelle!

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Grundmauern eines unkartierten Gebäudes beweisen Unvollständigkeit der Unterlagen

Bild oben: Das bis April 2021 unbekannte Gebäude, dessen Grundmauern erst nach der Rodung auf der Trasse  freigesetzt wurden hätte laut ÖPP-Vertrag von den Bauausführenden gemeldet werden müssen. Denn es wurde weder saniert noch beprobt.

Erst im September wurden Baggerschürfen angeordnet, die eine Kontamination belegten. Die Mauerreste und ein großer Teil der Erdmassen waren bis dahin schon lange verschwunden. Wohin das kontaminierte Erdreich gebracht wurde ist unklar. Anders als bei den sonst sanierten Gebäuden wurde die Erde aber nicht in einem größeren Radius beprobt. Auch wurden keine Kanäle in dem Bereich überprüft.

Widersprüche vom RP

Zu den Mauerresten schrieb das Regierungspräsidium Gießen: 

"Es haben umfangreiche Untersuchungen an den Gebäuderesten auf und neben der Trasse stattgefunden, sowohl vor dessen Abbruch als auch die dadurch entstandenen Abbruchhaufwerke wurden analysiert. Anschließend wurden die Abfälle entsprechend der erhaltenen Analysenergebnisse deklariert und je nach Belastungsgrad über unterschiedliche Entsorgungswege zur Entsorgung verbracht. Durch die Sanierungsarbeiten wurden alle ausgebauten Materialien beprobt, abfalltechnisch eingestuft und ordnungsgemäß verwertet oder beseitigt. In diesem Bereich bestehen keine sanierungsbedürftigen Verunreinigungen mehr. ..."

 

Allerdings konnten bisher keine Beprobungsprotokolle von Mauerresten aus dem Jahr 2021 aufgefunden werden.

Dieses Bild von April 2021 zeigt Überreste  in der Nähe der nicht kartierten Grundmauern - Beprobungsprotokolle fehlen.

 

 

 

 

 

 

 

Dabei ist im Planfeststellungsbeschluss (S. 62) gefordert, dass Altkanäle untersucht werden.


Verstöße gegen den Projektvertrag

 

 

Laut Projektvertrag (S. 70)  hätten alle diese Hinweise auf weitere Altlasten von den Bauausführenden an die DEGES gemeldet werden müssen. Es sieht nicht danach aus, als ob dies umgesetzt wurde. Auch rechtliche Konsequenzen sind bisher nicht gezogen worden. 

 

Möchte das vielleicht keiner weiter verfolgen, weil nicht klar ist, wer für die Kosten aufkommen muss? Und vor allem für die Mehrkosten, die durch eine eventuelle Bauverzögerung entstehen? (Vgl. S. 71 des ÖPP-Vertrages)