Viele offene Fragen zur Altlasten-Sanierung

Zu den folgenden Funden auf dem Gelände des ehemaligen Sprengstoffwerkes in Stadtallendorf hat es seitens des Regierungspräsidiums noch keine schlüssige Erklärung gegeben. Die Fotos wurden April 2021 gemacht.

Unbekanntes Gebäude

Auf der Trasse befinden sich noch ca. 30 cm hohe Grundmauern eines nicht kartierten ca. 3 m x 12 m großen Gebäudes. Ein Vertreter des Regierungspräsidiums kommentierte: "Das wird wohl ein Verwaltungsgebäude gewesen sein." Und wenn nicht? (Erst vier Monate später wurden hier im September Baggerschürfen durchgeführt, die Kontaminationen bewiesen - da waren die Mauersteine und ein großer Teil des Bodenmaterials bereits verschwunden - wohin ist unbekannt)

Mauerreste eines Wachehäuschens (Bunker)

Verfärbter Mauerrest, dabei sind auch in Ton und Buntsandstein Sprengstoffverbindungen nachweisbar (vgl. Leitfaden Rüstungsaltlasten kora-tv 5, Annette Joos u. a., gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin 2008, S. 34

Auch die rötliche Verfärbung des Wassers (unten) sieht nicht gesund aus. Hinweise für eine andere Erklärung als mögliche Sprengstoffbelastung können uns gerne über das Kontaktformular zugesandt werden.

Kalksäcke direkt WASG Gebiet vergraben - mit der Plastikumhüllung! Was sollte mit diesen großen Mengen an Kalk gebunden werden? Und warum gab es dort einige Tage lang einen sehr üblen undefinierbaren Geruch, von dem auch in diesem Video 1989 zu Altlasten-Skandalen berichtet wird?

unten: Video von Mauersteinen südlich der Artilleriestraße im April 2021, dem angeblichen Fundort des Hexyls. Das Regierungspräsidium wurde über die vielen Steine - auch an anderen Orten - informiert, ohne dass es eine Reaktion gegeben hätte.

Unzählige verfärbte Wurzelstöcke

auf dem Gelände (weitere Fotos unten).  Dabei kann laut Auskunft aus dem Regierungspräsidium ein Verbleib dieser Holzabfälle auf dem Trassenbereich ausgeschlossen werden.

Baumwurzel-Probe schlägt auf TNT an.

Eine Baumwurzel (Foto: Baumwurzel 1) vom WASAG-Gelände wies nach einem Schnelltest (Auswertung siehe unten) die für TNT typische blutrote Färbung auf (Foto: Baumwurzel 2).  Eine Blindprobe zeigte ein anderes Bild. 

In einem Sprengstoffgelände in Clausthal wurde mithilfe von TNT-Schnelltests überprüft, an welchen Stellen Sanierungsbedarf vorhanden ist (vgl. Punkt 5.1.1. des links), hier in Stadtallendorf wurde der Test vom Regierungspräsidium ignoriert: er sei nicht aussagekräftig.

Foto 1: Gefundene Baumwurzel

Foto 2: Baumwurzel nach Janowsky-Schnelltest

Fund einer kristallinen Verbindung (im April 2021 - leichtsinnigerweise ohne Handschuh). 

Leider konnte auf Grund der Größe nur eine GC-Analyse durchgeführt werden. Für einen Nachweis der vermuteten hochgiftigen Sprengstoffe Tetryl oder Pikrinsäure war die Probe der nachweislich organischen Verbindung allerdings zu klein. (Im Mai 2022 wurde eine ähnlich aussehende kristalline Verbindung als Hexyl identifiziert).

Weitere verdächtige gelbe Substanzen, gefunden an der Main-Weser-Bahn am 25.4.21


Der Planfeststellungsbeschluss kann hier heruntergeladen werden, ein Programm zum Öffen der gz. Datei hier. Weiter unten finden sich Seite 59 ff als Bilder. 


Wurzelstöcke, die über Auswaschungen Sprengstoffreste aufnehmen (vgl. den Leitfaden Rüstungsaltlasten kora-tv 5, Annette Joos u. a., gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin 2008, S. 58, 63), wurden geschreddert und über die Trasse verteilt. (Links ein Bild, das zum WASAG-Gelände gehört - unterhalb der Artilleriestraße - auf dem die geschredderten und untergemulchten Wurzelstöcke zu sehen sind - , unten einige weitere.)

Zu der Slide-Show: Buntsandstein und Ton binden laut dem Leitfaden Rüstungsaltlasten Sprengstoff, Mauerreste darf es bei einer abgeschlossenen Sanierung nicht geben und die Wurzelstöcke wurden nach Auskunft aus dem Regierungspräsidium getestet und verbrannt ...