Gift auf dem Weg ins Grundwasser?

Hintergrundinformationen

 

Zu 1) Der Planfeststellungsbeschluss ist hinsichtlich der Gefahrenstoffe des Rüstungsgeländes lückenhaft. In der Dokumentation „Die Allendorfer Sprengstoffwerke DAG und WASAG“ von Hans-Jürgen Wolff (Wolff, Hans-Jürgen, Die Allendorfer Sprengstoffwerke DAG und WASAG, Stadtallendorf, 1989, S. 177, vgl. Foto und Vergleich im Anhang) sind erbgutschädigende Sprengstoffe aufgelistet, die nicht Teil des Planfeststellungsbeschlusses sind und der Bundesregierung augenscheinlich bisher nicht bekannt sind. In einer Antwort auf eine diesbezügliche Anfrage sind lediglich die Sprengstoffe ausgelistet, die für das nicht direkt vom Ausbau betroffene Gebiet der Dynamit AG und den zivilen Bereich des WASAG-Geländes erfasst wurden, nicht aber die im Bereich der Produktion und Abfüllanlagen der WASAG ((Vgl. den Planfeststellungsbeschluss S. 60f und die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen am 19.8. 20,  – hier werden die Bodenbelastungen des DAG-Gebietes statt des WASAG-Gebietes aufgelistet (vgl. die Auswertung der Sanierung des DAG-Geländes, S. 16, siehe Bild unten).

 

2) Am 1. April lagen der für die Genehmigung und Überwachung von Altlastensanierungen zuständige Altlastenbehörde des Landes Hessen keine Informationen zur Sanierung der Wurzelstöcke des betroffenen Geländes vor. Dabei wurde im Leitfaden Rüstungsaltlasten, den Annette Joos u .a. im Auftrag des Bundesministerium für Bildung und Forschung 2008 erstellt haben, nachgewiesen, dass ein großer Teil der ausgewaschenen krebserregenden Sprengstoffrückstände von den Bäumen aufgenommen wird (ebda. S. 58, Abb. 1) und sich dort überwiegend in den Wurzelstöcken sammelt (ebda. S. 63, Abb. 2). Mit der Zerstörung der Bäume werden diese krebserregenden Sprengstoffe nun wieder freigesetzt. 

 

Zu 3) Nicht erfasst ist im Planfeststellungsbeschluss außerdem, dass auch auf Ton und Buntsandstein des Stadtallendorfer Geländes Sprengstoffreste nachweisbar sind (ebda. S. 34). Es muss daher davon ausgegangen werden, dass dies bei der Sanierung nicht berücksichtigt wurde.

 

Zu 4) Wegen der Fließrichtung der Grundwasserströmung nach Südwesten Richtung Wasserschutzgebiet (Vgl. den Abschlussbericht zum Rüstungsgebiet der DAG des hessischen Umweltministeriums, 2009, S. 10 und Abb. 3) muss davon ausgegangen werden, dass die Verunreinigung des Bodens mit Sprengstoffen Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung von 500.000 Menschen hat.

 

Zu 5) Mauerreste zeigen außerdem, dass die Sanierung nicht komplett abgeschlossen ist, wie von der DEGES bereits im September behauptet wurde. 

 

Fazit:

 

Der Planfeststellungsbeschluss ist lückenhaft. Es muss davon ausgegangen werden, dass das Gelände nicht umfassend genug saniert wurde, um eine Trinkwasserverschlechterung auszuschließen. Damit geht von einem weiteren Ausbau der A49 eine unkalkulierbare Gefahr aus. Die auf dem Gelände begonnenen Arbeiten müssen daher unverzüglich gestoppt werden.

 

 

Quellen

Abb. 1 Joos u. a., S. 58

Abb. 2 Joos u. a., S. 63



Die aufgeführten Stoffe entsprechen den der Auswertung zur Belastung des DAG Geländes (Seite  16, vgl. Ausschnitt unten), nicht aufgeführt sind aber einige Sprengstoffe aus der Dokumentation von Hans-Jürgen Wolff, Die Allendorfer Sprengstoffwerke DAG und WASAG, Stadtallendorf, 1989, S. 177 u. a.)

Im MOSAL-Abschlussbericht zur Sanierung des DAG-Geländes (2000) sind auf Seite 45 noch Nitropenta und Pikrinsäure in der Sanierung aufgelistet. Diese Stoffe fehlen im PFB. Weil sie vielleicht im DAG-Gelände nicht vorhanden waren, ist damit sicher gestellt, dass sie es auch im WASAG-Gelände nicht sind? Eine merkwürdige Logik!

In einer Dokumentation der Sanierung des DAG-Geländes (2001) finden sich Informationen zur Überwachung des Grundwassers. (S. 28)

In dieser Dokumentation der Sanierung des DAG-Geländes (2001) zeigt sich, wie schwierig und langwierig es ist, verlässliche Ergebnisse zu erhalten. (S. 25)